Russische Meisterschaft (Höhen- und Technischer Klasse)

Bericht über die Besteigung durch das Team des MAI

auf den Gipfel des Čiringjād 5864 m über die Mitte der Westwand, 6B Kategorie Schwierigkeitsgrad, durchgeführt vom 5. August 2008 bis 8. August 2008

img-0.jpeg

Moskau 2008

Mannschaftskapitän: M. Wolkow alpclu@yandex.ru Tel. +7-985-233-83-64

Trainer der Mannschaft: W. Lawrinenko lavrinenco2004@mail.ru Tel. +7-916-439-03-12

Bearbeitung des Berichts: M. Pankow maxtreme@bk.ru Tel. +7-910-492-76-05

Pass der Besteigung

Nr. 4.12.61, Gipfel Čiringjād 5864 m über die Mitte der Westwand (N. Petrow, 1989), 6B Kategorie

  1. Westpamir, J̌azgulem-Gebirgskette

  2. Gipfel Čiringjād 5864 m, über die Mitte der Westwand

  3. Vorgeschlagen — 6B Kategorie Schwierigkeitsgrad, zweite Begehung

  4. Charakter der Route: kombiniert

  5. Höhenunterschied der Route: 1864 m (nach Höhenmesser)

    Länge der Route: 2695 m. Länge der Abschnitte:

    • 5. Kategorie Schwierigkeitsgrad – 645 m
      1. Kategorie Schwierigkeitsgrad – 550 m. Durchschnittliche Steilheit:
    • des Hauptteils der Route — 78°
    • der gesamten Route — 70°
  6. Haken, die auf der Route belassen wurden:

    insgesamt 28; davon Bohrhaken — 0. Verwendete Haken auf der Route:

    • stationäre Bohrhaken — 3 (davon für künstliche Fortbewegung — 0)
    • entfernbare Bohrhaken — 0 (davon für künstliche Fortbewegung — 0). Insgesamt verwendete künstliche Haltepunkte (KHO) — 0
  7. Marschzeit der Mannschaft: 45 Std., 4 Tage

  8. Leiter: Wolkow Michail Jewgenjewitsch, KMS

    Nowikow Alexander Wiktorowitsch, KMS Pankow Maxim Anatoljewitsch, KMS Sinjuschin Nikolai Gennadjewitsch, KMS Satanin Andrei Wadimowitsch, 1. Sportklasse

  9. Trainer: Lawrinenko Wladimir Wjatscheslawowitsch, MS, II. Kategorie

  10. Aufbruch zur Route: 7:00 Uhr, 5. August 2008

    Erreichen des Gipfels: 17:00 Uhr, 8. August 2008 Rückkehr zum Basislager: 20:00 Uhr, 9. August 2008 img-1.jpeg

Allgemeines Foto des Gipfels. Route durch die Mitte der Westwand des Gipfels Čiringjād 5864 m (N. Petrow, 1989). Foto 1, aufgenommen am 8. August 2008, Punkt Nr. 1, H=4100 m, S=5 km, Gipfel Čiringjād 5864 m.

img-2.jpeg

Foto 2. Profil der Wand von links, aufgenommen am 24. Juli 2008, Punkt Nr. 2, H=3200 m, S=4,5 km. Gezeichnetes Profil der Route, Maßstab 1:6500

img-3.jpeg img-4.jpegimg-5.jpeg

Legende zur Karte:

  • A — Basislager
  • B — Lager ABC
  • C — Sturm-Lager, Beobachter-Lager
  • Aufstiegsweg, Abstiegsweg
  • Nr. und Punkte der Fotoaufnahmen

Kurze Übersicht über den Besteigungsraum

Der Gipfel Čiringjād (5864 m) befindet sich im mittleren Teil des J̌azgulem-Gebirges im Westpamir, in einer Gruppe von Gipfeln mit Höhen um 6000 m, von denen viele noch unbestiegen sind. Bislang haben diesen Bereich nur zwei Expeditionen besucht:

  • 1982 — UdSSR-Meisterschaft — das Team der Sportorganisation "Lokomotive" führte die Erstbesteigung (5B, damals höchste Schwierigkeitskategorie) auf den Gipfel von Norden her durch, gefolgt von einer Durchquerung (7. Platz);
  • 1989 — Erstbegehung durch die Mitte der Westwand (6B). Team von W. L. Baschkirow.

Eine Besonderheit des Gebiets ist seine Unzugänglichkeit — lange Anfahrt und Anmarschwege, Schluchten und Canyons, die bereits auf dem Anmarsch Klettertechnik erfordern. Anscheinend erklärt dies seine Unerschlossenheit aus alpinistischer Sicht, obwohl es im Gebiet viele komplexe und logische Routen mit höchster Schwierigkeitskategorie gibt. Der Relief der Gipfel ist zergliedert, mit spitzen Spitzen und filigranen Graten. Die Wände sind steil und weisen vertikale, zerstörte Gürtel auf, die besonders schwierig zu überwinden sind. Charakteristisch ist eine bedeutende Vergletscherung, die Gletscher sind stark zerklüftet und weisen Eisfälle auf. Das Gebiet ist einzigartig:

  • durch seine sportlichen Möglichkeiten;
  • aus ästhetischer Sicht.

Der einzige Weg, auf dem man in das Gebiet gelangen kann, ist folgender: aus Duschanbe 400 km mit dem Auto auf der Westpamirstraße in Richtung Chorog, bis zur Mündung des Flusses J̌azgulem in den Fluss Pjandsch an der afghanischen Grenze (30 km vor der Siedlung Ruschan). Weiter flussaufwärts im J̌azgulem-Tal etwa 30 km bis zum Ende der Autostraße (Dorf Džamak). Von dort aus zu Fuß auf dem rechten (orografisch) Ufer des Flusses J̌azgulem, etwa 5–7 km (1,5–2 Stunden) bis zur letzten Siedlung — Dorf Saitsch. Weiter führt der Weg auf das linke Ufer (orografisch) und wird komplizierter und stellenweise schwer passierbar (besonders für Esel). Auf diesem Weg noch 12–15 km bis zum linken Nebenfluss des J̌azgulem — Fluss Wydwjadj (Foto 4). Dem Tal des Flusses Wydwjadj folgend, zunächst auf dem linken, dann auf dem rechten (orografisch) Ufer des Tals bis zum Canyon etwa 5–7 km (2–3 Stunden). Hier befindet sich ein guter Ort für das Basislager. Weiter gibt es keinen Weg. Vom Basislager aus wechselt man auf das linke (orografisch) Ufer des Tals und bewegt sich zum linken Rand des Canyons (Foto 5, 120 m Felsen, 3–4. Kategorie Schwierigkeitsgrad, Haken, Sicherungen). Weiter über steile, grasige und schuttbedeckte Hänge und zerstörte Felsen (Foto 6, 30 m, 3. Kategorie Schwierigkeitsgrad, Sicherungen) unter die Ausläufer des Gipfels Čiringjād. Hier erfolgt die Überquerung des Flusses auf das rechte (orografisch) Ufer des Tals und unter Umgehung der Ausläufer des Čiringjād auf der rechten Seite entlang des Moränenkamms der Aufstieg unter den Eisfall, der in den oberen Zirkus der Westwand führt. Der Durchgang durch den Eisfall ist unmöglich, der Umgehungsweg links über steile, stark zerstörte Felsen (100 m, 3–4. Kategorie Schwierigkeitsgrad, Haken, Sicherungen). Weiter noch etwa eine Stunde über die Moränenschutthalden — Ausgang unter die Route in den oberen Zirkus. Hier, direkt unter der Route, in einer Tasche der Moräne — ein guter Ort für das Sturm-Lager. Von der Stelle des Basislagers vor dem Canyon bis zur Stelle des Sturm-Lagers unter der Wand — etwa 7–10 Stunden.

img-6.jpeg

Foto 4. Ort der Mündung des Flusses Wydwjadj in den Fluss J̌azgulem.

img-7.jpeg

Foto 5. Variante des Durchgangs durch die rechte Wand des Canyons (120 m Felsen, 3–4. Kategorie Schwierigkeitsgrad).

img-8.jpeg

Foto 6. Durchgang unter die Ausläufer des Gipfels Čiringjād nach der Canyon-Wand (30 m, 3. Kategorie Schwierigkeitsgrad).

Marschzeit: insgesamt — 62- Std., bis zum Gipfel — 45 Std.

Schema der Route in UIAA-Symbolen

img-10.jpeg img-11.jpeg img-12.jpeg img-13.jpeg img-14.jpeg

Technisches Foto der Route img-15.jpeg

Technisches Foto (R0–R3) — unterer Teil der Route

Beschreibung der Route nach Abschnitten

Abschnitt R0–R1: Steiler Schutthang.

Abschnitt R1–R1.1: Sehr zerstörte Felsen. Aufstieg unter die Wand, im rechten Teil des Vorsprungs, der in den Beginn des Grats führt. Sicherung durch Felsformationen.

Abschnitt R1.1–R2: Aufstieg durch eine charakteristische innere Ecke (rechts/nach links) zerstörter Felsen auf den Grat des Vorsprungs. Viele "lebende" Steine, das Gestein ist sehr brüchig! Sicherung durch Haken, Klemmkeile (Stopper, Friends). Foto 7.

Abschnitt R2–R2.1: Zerstörte Felsen des breiten Vorsprungs mit frei liegenden Steinen auf den Bändern. Bewegung in "Zickzack". Sicherung durch Felsformationen und Klemmkeile.

Abschnitt R2.1–R2.2: Zerstörter Felsgürtel auf dem Vorsprung. Überwindung durch eine innere Ecke und eine Wand im linken Teil des Grats. Sicherung durch Felsformationen und Klemmkeile. Foto 8.

Abschnitt R2.2–R3: Vorsprung mit einzelnen Felsenwänden bis 5–10 m. Viele "lebende" Steine, Bewegung in "Zickzack". Es gibt Bänder für ein Biwak, wenn man die Fläche erweitert und räumt.

Abschnitt R3–R4: Bewegung auf dem Vorsprung. Eher monolithische Felsen. Teilweise Couloirs mit angefrorenem Eis. Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R4–R5: Bewegung auf der Wand im rechten Teil des Vorsprungs. Links — glatte, nasse Platten, häufige Steinschläge. Viele unsichere, einzeln stehende Blöcke. Teilweise Bewegung in Steigeisen, Schnee- und Eisabschnitte. Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R5–R6: Reihe von polierten Platten, die in eine breite innere Ecke mit angefrorenem Eis übergehen. Bewegung in Steigeisen. Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R6–R7: Wechsel von Eis- und Felsabschnitten. Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R7–R8: Steile, zerstörte Felsen des Vorsprungs mit einzelnen Wänden und unsicher stehenden Blöcken. Bewegung in "Zickzack". Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R8–R9: Beginn der Hauptwand (helle Gesteinsfarbe). Bewegung links aufwärts durch eine charakteristische, steile innere Ecke zerstörter Felsen. Das Gestein ist sehr brüchig, schiefrig. Bewegung extrem vorsichtig. Sicherung durch Haken, Klemmkeile. Foto 9.

Abschnitt R9–R10: Bewegung rechts aufwärts durch eine zerstörte Wand auf eine kleine Bank. Viele "lebende" Steine. Sicherung durch Haken, Klemmkeile. Mögliche sitzende Übernachtung (Höhe 5200 m).

Abschnitt R10–R11: Wechsel von vertikalen Wänden bis 15–25 m und inneren Ecken, teilweise Überhänge. Kletterei schwierig. Die Wand ist monolithisch, mit Rissen. Sicherung durch Haken, Klemmkeile. Foto 10.

Abschnitt R11–R12: Bewegung aufwärts 30 m. Zerstörte, vertikale Wand mit großen "lebenden" Blöcken. Dann Travers 20 m rechts aufwärts in eine charakteristische, breite, überhängende innere Ecke, die auf eine kleine Bank führt. Sicherung durch Haken, Klemmkeile. Mögliche Übernachtung.

Abschnitt R12–R13: Auf steilen, zerstörten Felsen rechts aufwärts, Ausgang zu einem überhängenden, vereisteten Kamin mit einem Pfropfen. Bewegung im rechten Teil des Kamins. Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R13–R14: Rechts aufwärts. Wechsel von kurzen und steilen Abschnitten zerstörter Felsen. Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R14–R15: Wand mit überhängenden Abschnitten zwischen zwei vertikalen Eis-Fels-Couloirs (steinfallgefährdet!). Kletterei schwierig, die Rinnen begrenzen die Wahl der Route. Beginn der Bewegung im rechten Couloir mit Ausstieg links aufwärts. Sicherung durch Haken, Klemmkeile. Foto 11.

Abschnitt R15–R16: Breiter Kamin — innere Ecke, mit angefrorenem Eis.

Abschnitt R16–R17: Wechsel von glatten, vertikalen Wänden und kleinen Bänken. Sicherung durch Haken, Klemmkeile. Foto 11.

Abschnitt R17–R18: Ausgang links aufwärts durch einen mit Eis gefüllten inneren Winkel auf eine schmale Schneebrücke am Fuße vertikaler, glatter Platten. Etwas darunter — eine kleine Bank. Mögliche sitzende Übernachtung (Höhe 5500 m).

Abschnitt R18–R19: Sehr schwierige, glatte Wand (einer der Schlüsselabschnitte der Route), Kletterei extrem vorsichtig, die Griffe sind brüchig — blättern ab! Wenige Risse. Beim Durchgang wurden verwendet:

  • drei Bohrhaken (der Erstbegeher);
  • Felshaken;
  • Klemmkeile. Foto 12.

Abschnitt R19–R20: Ausgang auf eine glatte, steile Platte unter eine Wand mit einem Spalt. Sicherung durch Haken, Klemmkeile. Foto 13.

Abschnitt R20–R21: Schmaler Spalt in der monolithischen Wand. In der Mitte — ein Überhang. Kletterei schwierig. Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R21–R22: Aufstieg auf den Hauptkamm des Gipfels durch extrem zerstörte Felsen. Früh morgens sind die Felsen vereist! Sicherung durch Haken, Klemmkeile. Foto 14.

Abschnitt R22–R23: Schnee-Eis-Hang des Hauptkamms. Bewegung in Steigeisen. Aufstieg unter die vertikale Felsenwand des Gipfels. Sicherung durch Eishaken. Foto 15.

Abschnitt R23–R24: Überhängender Gürtel monolithischer Felsen (einer der Schlüsselabschnitte der Route). Der Relief ist kompliziert, wenige Griffe und Risse. Kletterei extrem schwierig. Beim Durchgang wurden verwendet:

  • dünne Felshaken;
  • Klemmkeile (Stopper, Friends). Foto 16, 17.

Abschnitt R24–R25: Bewegung links aufwärts auf steile, stark zerstörte Felsen. Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R25–R26: Wand mit sehr kleinen, brüchigen Griffen. Kletterei vorsichtig. Sicherung durch Haken, Klemmkeile.

Abschnitt R26–R27: Gipfelgrat. Foto 18. Links voraus — große Schneekarren. Bewegung auf glatten Platten, im Gipfelbereich — auf Schnee und Eis. Der Gipfel — ein großes Schneefeld!

Die Notiz der vorherigen Gruppe auf dem Gipfel und in der Nähe wurde nicht gefunden! Der Gipfel stellt ein großes Schneefeld dar (siehe Foto auf dem Gipfel). Kontrolltürme auf der Wand gibt es nicht!

img-16.jpeg

Foto 7. Arbeit des Ersten auf dem Abschnitt R1.1–R2. img-17.jpeg

Foto 8. Arbeit des Ersten auf dem Abschnitt R2.1–R2.2. img-18.jpeg

Foto 9. Arbeit des Ersten auf dem Abschnitt R8–R9. img-19.jpeg

Foto 10. Abschnitt R10–R11. img-20.jpeg

Foto 11. Abschnitt R14–R17. img-21.jpeg

Foto 12. Arbeit des Ersten auf dem Abschnitt R18–R19. img-22.jpeg

Foto 13. Arbeit der Seilschaft auf dem Abschnitt R19–R20. img-23.jpeg

Foto 14. Abschnitt R21–R22. img-24.jpeg

Foto 15. Abschnitt R22–R23.

img-25.jpeg

Foto 16. Arbeit des Ersten auf dem Abschnitt R23–R24.

img-26.jpeg

Foto 17. Abschnitt R23–R24.

img-27.jpeg

Foto (M. Wolkow) auf dem Gipfel des Čiringjād 5864 m. Im Hintergrund Gipfel Wudор 6132 m. Von links nach rechts: M. Pankow, A. Nowikow, A. Satanin, N. Sinjuschin.

img-28.jpeg

Sitzende Übernachtung (6.–7. August 2008, R10, 5200 m). img-29.jpeg

Angehängte Dateien

Quellen

Kommentare

Melden Sie sich an, um einen Kommentar zu hinterlassen